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BDZ vor Ort im Wissenschaftlichen Referat im Großraum München
Wo Zollrecht auf Wissenschaft trifft
Designerkraftstoffe, neue psychoaktive Stoffe und DNA-Spuren auf Drogenverpackungen: Beim Besuch im Wissenschaftlichen Referat im Großraum München zeigte sich, wie unmittelbar die Arbeit der Zolllabore zur Sicherung von Steuereinnahmen und zur Bekämpfung Organisierter Kriminalität beiträgt.
31.07.2026
BDZ-Bundesvorsitzender Thomas Liebel (li.) wurde vom Leiter des Wissenschaftlichen Referats, Dr. Jens Bahrs-Windsberger (re.), durch das Zolllabor geführt.
Was steckt tatsächlich in einer unscheinbaren Flüssigkeit oder einem Pulver? Im Zolllabor im Großraum München kann die Antwort darüber entscheiden, ob Millionenbeträge an Steuern hinterzogen wurden oder ein neuer Ermittlungsansatz entsteht.
Der Leiter des Wissenschaftlichen Referats, Dr. Bahrs-Windsberger, begrüßte den BDZ-Bundesvorsitzenden und HPR-Vorsitzenden Thomas Liebel sowie zwei Beschäftigte der BDZ-Bundesgeschäftsstelle am 14. Juli 2026 vor Ort. Bereits bei einem früheren Besuch hatte sich der BDZ-geführte Gesamtpersonalrat mit dem Standort befasst. Nun konnten zentrale fachliche, personelle und infrastrukturelle Fragen weiter vertieft werden.
Bundesweit arbeiten in den fünf Wissenschaftlichen Referaten rund 60 Chemikerinnen und Chemiker sowie etwa 135 chemisch-technische Beschäftigte. Die Zolllabore der Abteilung Wissenschaft und Technik erstellen Tausende Gutachten für die unterschiedlichsten Bereiche der Zollverwaltung.
In den Zolllaboren wird hoch spezialisierte wissenschaftliche Arbeit geleistet.
Dr. Bahrs-Windsberger erklärte den Gästen vom BDZ die Funktionsweise vieler Geräte.
Jedes Gerät ist unterschiedlich und erfüllt einen eigenen, spezifischen Zweck.
Ein Schwerpunkt: Die sogenannten Designerkraftstoffe.
In den Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig die Arbeit der Zolllabore auch für die Kriminalitätsbekämpfung ist.
Kommt es zu einem Gerichtsverfahren, muss genau nachgewiesen werden, um welche Substanz es sich handelt - und wieviel davon.
Von links: Dr. Jens Bahrs-Windsberger, Thomas Liebel (BDZ), Felix Schirner (BDZ)
Millionenbetrug mit Designerkraftstoffen
Ein besonderer Schwerpunkt der Laborführung waren sogenannte Designerkraftstoffe – längst ein europaweites Geschäftsfeld der Organisierten Kriminalität. Die Mineralölmischungen werden so hergestellt und deklariert, dass sie dem europäischen Kontrollsystem entzogen werden und typische Kennzeichnungsstoffe fehlen.
Ohne mobile Analysentechnik ist bei einer Kontrolle daher kaum zu erkennen, dass vermeintlicher Dieselkraftstoff tatsächlich eine solche Mischung ist. Erst die Untersuchung im Zolllabor schafft Klarheit. Bei einer vermiedenen Energiesteuer von rund 47 Cent je Liter können schnell Schäden in Millionenhöhe entstehen.
Wie groß die Dimension ist, zeigt aktuell der Diesel-Prozess vor dem Landgericht Hof: Dort geht es um rund 44 Millionen Euro hinterzogene Energiesteuer, im europaweiten Verfahren „Water into Wine“ sogar um rund 200 Millionen Euro Steuerschaden.
Im (kostenpflichtigen) Bericht der Frankenpost wird aus dem Hofer Verfahren zugleich ein deutlicher Appell an die Bundesregierung sichtbar. Denn selbst die Richterin betonte: Wer Steuerhinterziehung und Organisierte Kriminalität wirksam bekämpfen will, muss den Zoll rechtlich, personell und technisch so ausstatten, dass solche Geschäftsmodelle frühzeitig erkannt und konsequent verfolgt werden können.
Drogenanalyse liefert Ermittlungsansätze
Auch im Betäubungsmittelbereich wachsen die Anforderungen. Immer neue psychoaktive Stoffe müssen analytisch bestimmt werden. Zugleich geht die Arbeit längst über die reine Stoffanalyse hinaus: An Verpackungen und sichergestellten Waren sichern die Beschäftigten Fingerabdrücke und DNA-Spuren. Aus einer anonymen Lieferung kann so ein konkreter Ermittlungsansatz werden.
Diese zusätzlichen Aufgaben wurden bislang aus dem vorhandenen Personalbestand heraus aufgebaut. Für den BDZ ist klar: Wer Drogenschmuggel und Organisierte Kriminalität wirksam bekämpfen will, muss auch die wissenschaftlichen Dienste personell stärken.
Hinzu kommt ein erheblicher Sanierungsbedarf an mehreren Laborstandorten. Hoch spezialisierte wissenschaftliche Arbeit braucht moderne und verlässliche Arbeitsbedingungen.
Weitere Einblicke in die Arbeit der Zolllabore, ihre technischen und organisatorischen Herausforderungen sowie die Rolle der Abteilung Wissenschaft und Technik gibt es in der ausführlichen Fassung im kommenden BDZ magazin.