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Populismus gegen Beamtinnen und Beamte ersetzt keine Lösungen

Vor den Beratungen über ein großes Reformpaket von Union und SPD rückt auch die Versorgung von Beamtinnen und Beamten wieder in den Fokus. Die Deutsche Zoll- und Finangewerkschaft BDZ warnt vor verkürzten Debatten über vermeintliche Privilegien und mahnt zur Sachlichkeit.

Die Bundesregierung will noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein umfassendes Reformpaket auf den Weg bringen. Im Mittelpunkt stehen Rente, Arbeitsmarkt, Einkommensteuer und Bürokratieabbau.

Laut Medienberichten ist nach bisheriger Planung bereits am 10. Juni ist ein Sozialpartnergespräch im Kanzleramt vorgesehen, bevor der Koalitionsausschuss am 30. Juni über das Reformpaket beraten soll. Die genauen Termine wurden allerdings in einer Regierungspressekonferenz im Mai noch offen gehalten: Man wolle „bis zur Sommerpause“ große Reformen auf den Weg bringen.

Rente mit 70 steht zur Debatte

Parallel arbeitet die Alterssicherungskommission an Vorschlägen zur langfristigen Zukunft der Rente. Medienberichte über eine mögliche Anhebung des Renteneintrittsalters bis 70 haben zuletzt für erhebliche Diskussionen gesorgt. Die Bundesregierung spricht von Spekulationen, Mitglieder der Kommission verweisen auf Vertraulichkeit. Gewerkschaften wie DGB und ver.di haben sich gegen ein höheres Renteneintrittsalter positioniert.

Gleichzeitig wird erneut gefordert, Beamtinnen und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Bundesarbeitsministerin und SPD-Vorsitzende Bärbel Bas wartet die Ergebnisse der von der Bundesregierung selbst eingesetzten Rentenkommission nicht ab, sondern bringt noch vor Vorlage des Berichts erneut die Forderung nach Einbeziehung der Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung auf den Tisch. Schon 2024 hatte die DGB-Chefin Fahimi gefordert, dass auch Beamtinnen und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen.

Auch aus der Jungen Union kommt die Forderung nach einem „Beamten-Soli“. Diskutiert werden unter anderem eine Dämpfung künftiger Pensionserhöhungen, andere Berechnungsgrundlagen für die Versorgung, eine Begrenzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und eine engere Beschränkung der Verbeamtung auf Kernaufgaben des Staates.

Die Bundesregierung hat eigens eine Rentenkommission eingesetzt. Wer bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse alte Forderungen wieder aufgreift, trägt nicht zu einer sachlichen Debatte bei und untergräbt die Arbeit der Kommission.

Thomas LiebelBDZ-Bundesvorsitzender

Auch der Vorsitzende des dbb (Dachverband des BDZ), Volker Geyer, hat sich ähnlich geäußert: dbb | Zukunft der Alterssicherung braucht Sachlichkeit statt Populismus

Beamte sind kein Kostenfaktor, sondern Infrastruktur

Aus Sicht des BDZ ist klar: Wer über Beamtenpensionen spricht, darf nicht nur über Kosten sprechen. Die Versorgung der Beamtinnen und Beamten ist kein isoliertes Privileg, sondern Teil eines Gesamtgefüges. Dazu gehören besondere Treuepflicht, Neutralität, Streikverbot, Fürsorgepflicht, Verfassungstreue und die Bereitschaft, staatliche Aufgaben unabhängig von politischem Tagesdruck wahrzunehmen.

Gerade im Zoll wird deutlich, worum es geht. Zöllnerinnen und Zöllner sichern Einnahmen des Staates, bekämpfen Schwarzarbeit, Schmuggel, Geldwäsche und organisierte Kriminalität, schützen faire Wettbewerbsbedingungen und sorgen dafür, dass Lieferketten funktionieren. Der Zoll ist Teil der Sicherheitsarchitektur – und zugleich unverzichtbarer Bestandteil wirtschaftlicher Wertschöpfung.

Deshalb greift auch die einfache Formel „Beamte in die Rentenkasse“ zu kurz. Kurzfristig könnten zwar zusätzliche Beiträge entstehen. Langfristig würden aber neue Rentenansprüche folgen. Zudem müsste der Staat als Dienstherr Arbeitgeberbeiträge zahlen und die Besoldung systemgerecht neu austarieren. Eine nachhaltige Lösung für die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rente ist damit nicht verbunden.

Der BDZ setzt sich für ein modernes Berufsbeamtentum ein. Dazu gehören verfassungsgemäße Alimentation, bessere Laufbahndurchlässigkeit, praxistaugliche Aufstiegsmöglichkeiten, moderne Arbeitsbedingungen, funktionierende Digitalisierung und mehr Vertrauen in die Fachkompetenz der Beschäftigten.

Erfahren Sie hier mehr über die Positionen des BDZ zum Berufsbeamtentum:

Die kommende Ausgabe des BDZ magazin nimmt die Debatte ausführlich in den Blick: Welche Forderungen stehen im Raum? Was bedeutet eine mögliche Rentenreform für die Beamtenversorgung? Welche Mythen über Pensionen, Beihilfe und Beamtenstatus halten sich hartnäckig? Und warum braucht ein moderner Staat ein modernes, aber starkes Berufsbeamtentum?

Wer über Beamtenpensionen spricht, muss auch über die besonderen Pflichten der Beamtinnen und Beamten sprechen. Versorgung, Streikverbot, Treuepflicht und staatliche Verantwortung gehören zusammen. Der Staat darf seine Beschäftigten nicht erst in Pflicht nehmen und sie anschließend in der öffentlichen Debatte zum Sparmodell erklären.

Thomas LiebelBDZ-Bundesvorsitzender

BDZ Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft

Friedrichstraße 169
10117 Berlin

Tel.: +49 30 863247640

E-Mail: post@bdz.eu

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