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Der neue KPMG-Bericht zum illegalen Tabakmarkt zeigt: Der Schwarzmarkt wächst weiter, Deutschland wird zunehmend Produktionsstandort für gefälschte Zigaretten. Der BDZ warnt deshalb vor einer Tabaksteuerpolitik, die zusätzliche Einnahmen einplant, ohne den Vollzug zu stärken.
03.06.2026
Der Zoll beschlagnahmt immer wieder Maschinen zur Herstellung gefälschter Zigaretten. Bild: www.zoll.de
Der illegale Handel mit Tabakwaren nimmt weiter zu. Nach der aktuellen KPMG-Studie wurden in Deutschland im vergangenen Jahr geschätzt 1,9 Milliarden illegale Zigaretten konsumiert. Vor allem europaweit wächst der illegale Markt deutlich um 5,9 Prozent: 55,3 Milliarden illegale Zigaretten verursachen 22,4 Milliarden Euro Steuerausfälle. In Europa ist inzwischen jede neunte konsumierte Zigarette illegal.
Zugleich gewinnt die Bundesrepublik als Produktionsstandort für gefälschte Ware an Bedeutung. Mehrere bundesweite Medien griffen die Berichterstattung dazu auf und zitierten auch die Einschätzung des BDZ, so u.a. WELT, Tagesspiegel und verschiedene Regionalzeitungen.
Aus Sicht des BDZ bestätigen die Zahlen eine Entwicklung, vor der die Zollpraxis seit Jahren warnt: Der illegale Tabakmarkt wird professioneller, arbeitsteiliger und für den Staat schwerer kontrollierbar. Illegale Produktionsstätten sind längst keine improvisierten Hinterhofstrukturen mehr, sondern hochprofessionelle Geschäftsmodelle der Organisierten Kriminalität. Maschinen, Rohtabak, Lagerflächen, Logistik und Vertrieb werden arbeitsteilig organisiert. In der rbb-Sendung „Täter – Opfer – Polizei“, in der der der Fall einer kriminellen Bande beleuchtet wurde, betonte BDZ-Chef Liebel den Stellenwert der zentralen Lage Deutschlands in Europa, von der aus andere Mitgliedstaaten leicht mit illegalen Zigaretten beliefert werden können.
Umso wichtiger ist die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen beim Zoll. Die Beschäftigten in Kontrolleinheiten, Zollfahndung, Steueraufsicht und Straf- und Bußgeldstellen gehen mit großem Engagement gegen Schmuggel, illegale Produktion und kriminelle Vertriebsstrukturen vor. Die hohen Sicherstellungsmengen zeigen, dass der Zoll wirkt – sie zeigen aber zugleich, wie groß das Problem inzwischen geworden ist.
Die illegalen Fertigungsanlagen haben industriellen Charakter und werden von professionellen Banden organisiert. Bild: www.zoll.de
Tabaksteuer soll erhöht werden – BDZ kritisch
Besonders kritisch bewertet die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ daher die aktuellen Pläne, die Tabaksteuer sprunghaft zu erhöhen. Während das Bundesfinanzministerium die Steuererhöhung als Konsolidierungsbeitrag versteht, ist der Schritt in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion infolge des Aus für die von der Koalition geplante Entlastungsprämie umstritten (siehe WirtschaftsWoche, 14.05.2026). Die Tabaksteuererhöhung war ursprünglich zur Gegenfinanzierung der Prämie vorgesehen.
In einer Lage, in der der Schwarzmarkt wächst und Deutschland zunehmend als Produktionsstandort für illegale Zigaretten genutzt wird, wäre eine rein fiskalisch motivierte Steuererhöhung kontraproduktiv. Steigende Preise führen nicht automatisch zu stabil höheren Einnahmen, sondern können Ausweichbewegungen in unversteuerte und gefälschte Ware verstärken.
Es ist unverantwortlich, jetzt zusätzliche Milliarden aus der Tabaksteuer einzuplanen, ohne den Zoll massiv zu stärken. Die neuesten Zahlen zeigen, dass der Schwarzmarkt weiter wächst. Wenn immer mehr Verbraucher auf unversteuerte oder gefälschte Ware ausweichen, landen die erhofften Mehreinnahmen nicht beim Staat, sondern bei der Organisierten Kriminalität.
Der BDZ fordert deshalb eine konsequente Stärkung der Zollfahndung und der Kontrolleinheiten, bessere digitale Analyseinstrumente, eine wirksame Überwachung von Rohtabak sowie eine konsequentere Vermögensabschöpfung. Wer Tabakkriminalität bekämpfen will, darf Steuerpolitik und Vollzug nicht getrennt denken.