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Fachtagung zu Digitalisierung, KI und der neuen EU-Zollbehörde: Auf Einladung der österreichischen GÖD Finanzgewerkschaft reiste eine Delegation des BDZ Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft Anfang Oktober zu einem internationalen gewerkschaftlichen Austausch nach Innsbruck. Im Mittelpunkt des Treffens standen die gemeinsamen Herausforderungen der Zollverwaltungen und der Zöllnerinnen und Zöllner in Österreich und Deutschland sowie die Reform der Zollunion durch die neue EU-Zollbehörde EUCA.
16.10.2026
GÖD und BDZ vor dem Innsbrucker Dom (v.l.n.r.): Peter Harrer, Fritz Mannsberger, Reinhard Eisenhut, Petra Baumgartl, Walter Hainzer, Sven Hannuschka, Adelheid Tegeler, Peter Kleewein, Florian Preißner, Felix Schirner, Angelika Sillober-Sturm
Empfangen wurden die fünf Vertreter/innen des BDZ u.a. vom Vorsitzenden der Bundesfachgruppe Zoll in der GÖD, Reinhard Eisenhut, und der Tiroler GÖD-Landesvorsitzenden Angelika Sillober-Sturm. Für die BDZ-Bundesleitung nahmen Florian Preißner und Adelheid Tegeler teil.
Austausch im Finanzzentrum Innsbruck
Den fachlichen Höhepunkt bildete der Dialog mit der Vorständin des Zollamts Österreich, Dr. Andrea Reuter, im Finanzzentrum Innsbruck. Gemeinsam mit den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern beider Seiten wurden die Entwicklungen diskutiert, die den Zollalltag in beiden Ländern zunehmend prägen.
Ein Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung der Zollverwaltung und dem verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Besprochen wurden auch mögliche Unterschiede in der praktischen Umsetzung der Zollabfertigung und der Aktenerledigung in Österreich und Deutschland, die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Zollabfertigung sowie die Frage, welche Rolle KI künftig in der gewerkschaftlichen Arbeit selbst spielen kann.
Von links: Mag. Bernhard Lechleitner (Bereichsleiter beim Zollamt Österreich) und Dr. Andrea Reuter (Vorständin Zollamt Österreich) erläuterten der Gruppe vom BDZ u.a., wie und mit welchen Folgen für die Beschäftigten sich die Struktur in ihrer Zollverwaltung in den letzten Jahren verändert hat.
Von links: Die BDZ-Vertreter/innen Petra Baumgartl (Vors. BV Hessen), Florian Preißner, Adelheid Tegeler (beide stellv. BDZ-Bundesvorsitzende) und Sven Hannuschka (Vors. BV Württemberg) schilderten den österreichischen Kollegen/innen die Lage in Deutschland. Klar wurde schnell: Beide Verwaltungen stehen vor ähnlichen Herausforderungen.
Die Zollstelle Innsbruck befindet sich zusammen mit dem Finanzamt, dem Amt für Betrugsbekämpfung und weiteren Behörden in einem Finanzzentrum in Innsbruck. Im Gegensatz zu Deutschland umfasst der Begriff "Zollamt Österreich" die gesamte österreichische Zollverwaltung.
Europäische Zukunft der Zollbehörden
Auch die künftige Rolle der europäischen Zollbehörde EUCA wurde angesprochen, insbesondere mit Blick auf ein stärker abgestimmtes Risikomanagement in der EU. Zudem wurden die bestehenden nationalen IT-Systeme und die Perspektive eines gemeinsamen europäischen Systems kritisch diskutiert. Langfristig wird eine stärker europäische IT-Lösung immer wahrscheinlicher, weil selbst nationale Zollverwaltungen die notwendigen Systeme kaum noch jeweils allein entwickeln können. Gleichzeitig bestand auf beiden Seiten erhebliche Skepsis, ob eine europäische Lösung automatisch besser wird.
„Best Practice“ in der Zollabfertigung
Breiteren Raum nahmen konkrete Erfahrungen aus der Zollpraxis ein. So berichtete die österreichische Seite von ihrem konsequenten Vorgehen bei unzureichenden E-Commerce-Anmeldungen und der Bedeutung verlässlicher Daten für eine wirksame Risikoanalyse. Als Beispiel für praxisnahe Digitalisierung wurde zudem „Smart Border Austria“ in Vorarlberg diskutiert: Dort wurde der bislang papiergestützte Korridorverkehr zur Schweizer Grenze digitalisiert. Elektronische Voranmeldungen und die Verknüpfung mit dem Kennzeichen des Beförderungsmittels ermöglichen eine gezieltere Steuerung der Lkw-Verkehre und haben dazu beigetragen, frühere Staus deutlich zu reduzieren.
Austausch wird fortgesetzt
GÖD und BDZ vereinbarten, den Dialog fortzusetzen und zu intensivieren. Angesichts einer Zollpolitik, die zunehmend auf europäischer Ebene gestaltet wird, sind sich beide Organisationen einig: Die Interessen der Zöllnerinnen und Zöllner werden am wirksamsten vertreten, wenn Zollgewerkschaften der Mitgliedsstaaten stärker vernetzt zusammenarbeiten.