Es ist daher notwendig, dass die Politik zur Kenntnis nimmt: Der grenzüberschreitende Warenverkehr Deutschlands besteht nicht nur aus Kleinsendungen internationaler Marktplätze. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes hängt maßgeblich davon ab, dass klassische Zollabfertigungsprozesse – etwa für Maschinen, Vorprodukte, Industrieanlagen, Rohstoffe und High-Tech-Komponenten – reibungslos und rechtssicher funktionieren. Die Unternehmen erwarten zurecht verlässliche, schnelle und fachkundige Entscheidungen der Zollverwaltung, denn Verzögerungen in diesen Bereichen wirken sich unmittelbar auf Produktionsabläufe, Lieferketten, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit aus.
Gerade in diesen industriellen Kernbereichen braucht es ausreichend qualifiziertes Personal, moderne Fachverfahren und eine leistungsfähige Abfertigungsstruktur. Denn anders als im automatisierten Massengeschäft des E-Commerce erfordern klassische B2B-Abfertigungen tiefes Fachwissen, sorgfältige Risikobewertungen und die sichere Anwendung eines hochkomplexen Normengefüges. Ein Zoll, der hier an Schlagkraft verliert, gefährdet nicht nur Steuereinnahmen und Sicherheit, sondern auch zentrale volkswirtschaftliche Interessen Deutschlands.
Die Stärkung des klassischen Zollgeschäfts ist deshalb kein Gegensatz zur Modernisierung der E-Commerce-Abfertigung, sondern eine zwingende Ergänzung. Beide Bereiche sind essenziell – doch politisch muss klarer zwischen massenhaftem Paketverkehr und der wirtschaftlichen Lebensader des deutschen Außenhandels unterschieden werden. Der BDZ fordert daher, den Fokus nicht nur auf den Online-Handel zu richten, sondern die industrielle Zollabfertigung als strategische Infrastruktur des Exportlandes Deutschland dauerhaft zu sichern und zu modernisieren.
Wenn die Europäische Union strengere Vorgaben zu Nachhaltigkeit, Lieferketten, Sanktionsdurchsetzung oder Produktstandards macht, müssen diese Regeln in der Abfertigung auch vollziehbar sein. Anderenfalls wird der ursprünglich Zweck konterkariert, auf Kosten von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie ehrlicher Unternehmen und Wirtschaftsbeteiligter.
Dafür braucht es eine verlässliche, auskömmlich finanzierte Zollverwaltung, die Personal, Technik und Räumlichkeiten auf hohem Niveau vorhält. Der BDZ macht deutlich: Die Zollabfertigung ist kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Schauplatz wirtschaftlicher, verbraucherschutzrechtlicher und sicherheitspolitischer Interessen.